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Schopenhauer

und Die wilden Jahre der Philosophie 

Schopenhauer, der unverbesserliche Pessimist, entwarf inmitten des deutschen Idealismus ein Weltbild der Skepsis. Warum fasziniert uns der Philosoph bis heute? In Weimar begegnete er dem alten Goethe, in Dresden verfasste er sein Hauptwerk "Die Welt als Wille und Vorstellung". Anhänger fand sein Werk erst später. Zum 150. Todestag erzählt Rüdiger Safranski in dieser Biographie mitreißend, wie der Existentialist zu seiner Philosophie kam und was sie aus ihm gemacht hat.

Schopenhauer und 
Die wilden Jahre der Philosophie

Hanser Verlag, 2010
ISBN 978-3-446-23582-3
Fester Einband, 560 Seiten, 24.90 € (D) / 37.90 sFR (CH) / 25.60 € (A)

Goethe und Schiller

Geschichte einer Freundschaft

Ihre Freundschaft ist eine Sternstunde des deutschen Geistes: Friedrich Schiller bringt seine Dramen mit Goethes Hilfe auf die Bühne. Johann Wolfgang von Goethe erlebt durch Schiller in Weimar seine zweite Jugend. Dennoch ist ihre gemeinsame Geschichte nicht frei von Konflikten: etwa Schillers Neid auf den bewunderten Goethe oder Goethes Angst vor dem Aufstieg Schillers. Trotz aller Gegensätze lernte Schiller in der Freundschaft, "dass es dem Vortrefflichen gegenüber keine Freiheit gibt als die Liebe". Und jeder der beiden sagte vom anderen: er sei ihm der wichtigste Mensch gewesen. Rüdiger Safranskis Buch ist die spannend erzählte Biographie dieser für die Dichtung in Deutschland so wichtigen Begegnung.

Goethe und Schiller
Geschichte einer Freundschaft

Carl Hanser Verlag, München2009
ISBN 3446233261, 
Gebunden, 344 Seiten, 21,50 EUR

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 01.12.2009
Mit großem Enthusiasmus, so scheint es, hat sich Rezensent Martin Meyer in Rüdiger Safranskis Geschichte der Freundschaft von Johann Wolfgang Goethe und Friedrich Schiller gestürzt. Die Lektüre hat ihn dann auch wunschlos glücklich gemacht, wie er bekennt. Dass dem Autor aus geisteswissenschaftlichen Fachkreisen mitunter allzu mangelndes analytisches Vorgehen vorgeworfen wird, kümmert den Rezensenten keinen Deut. Denn nicht nur hat er sich mit großem Vergnügen und sehr gefesselt durch diese Biografie einer Freundschaft gelesen, er schätzt auch die souveräne Aufbereitung der Fakten und Kontexte, wie er betont. So mache Safranski auf Grundlage von Briefen, Tagebüchern, Aufsätzen und nicht zuletzt der Werke eine Beziehung transparent, die von vorsichtiger Annäherung über politische Übereinstimmung und tiefer Freundschaft bis zum Tod Schillers dauerte, so der Rezensent eingenommen. Ihm gefällt es, wie der Autor "Vertrautheit" herstellen kann, ohne ins rein Genrehafte abzugleiten. So wird Meyer, wie er bekräftigt, gern belehrt, zumal Safranski auf "grelles Psychologisieren" genauso verzichtet hat wie auf allzu starke Theorielastigkeit, wie er lobt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.10.2009
Hans-Jürgen Schings hat viel Lob für Rüdiger Safranski und sein Buch über die Freundschaft zwischen Goethe und Schiller übrig und freut sich aufrichtig, dass der Weimarer Klassik hier so gutgelaunt und frisch die "Marmorkälte" ausgetrieben wird. Keinen Zweifel lasse der Autor, der sich unter anderem als Schiller-Biograf hervorgetan hat, an der Wahrhaftigkeit dieser Freundschaft aufkommen, wie es von Börne und Grabbe bis Hans Mayer immer mal wieder gern getan wurde, so der Rezensent. Genauso wenig Zweifel hat Schings am erzählerischen Talent des Autors, das er hier mit souveräner Quellenbeherrschung und Werkkenntnis gepaart sieht. Er gibt gleich mehrere Beispiele für die Brillanz und Treffsicherheit Safranski'scher Werkauslegung und findet es großartig, wie es dem Autor gelingt, seine in Anstrengung errungenen Erkenntnisse so angenehm an die Leser zu bringen. Schings hätte zwar durchaus noch ein paar Wünsche offen gehabt und beispielsweise mehr über die Religiosität, das Verhältnis zu Kant oder die Rezeption der Antike bei Goethe und Schiller gelesen. Auch die Bibliografie scheint ihm dann zumindest doch etwas zu leger, wie er durchblicken lässt. Insgesamt aber schätzt er diese Biografie einer Freundschaft als gelungenes Beispiel einer "hellwachen, fröhlich-populären Wissenschaft" die doch nirgends an "Banalitäten" stößt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.10.2009
Rundum zufrieden ist Rezensent Hubert Spiegel mit Rüdiger Safranskis Buch über die Freundschaft von Goethe und Schiller. Die Vorgeschichte dieser Beziehung, die Wege und Karrieren der beiden Dichter, ihre Charaktere und Gegensätze findet er erhellend geschildert und analysiert. Er attestiert Safranski, die Geschichte dieser Freundschaft "souverän" und "unterhaltsam" zu erzählen. Mit Lob bedenkt Spiegel den dramaturgisch gekonnten Einsatz von Quellen, insbesondere des Briefwechsels zwischen Goethe und Schiller, sowie den Verzicht auf den "onkelhaften Ton" eines allwissenden Biografen. Nicht zuletzt hebt er hervor, wie Safranski das anekdotische Material "in Schach" hält. Manchmal allerdings, wenn es um die Gegensätze der beiden und um das Erstaunliche dieser Freundschaft geht, scheint ihm der Autor auch ein wenig zu überzeichnen.

Romantik

Eine deutsche Affäre
Die Romantik, neben dem Idealismus der Inbegriff des deutschen Geistes, ist in aufgeklärten Zeiten an den Rand gedrängt worden. Rüdiger Safranski holt sie für uns ins Zentrum zurück. Er beschreibt die Romantik als Epoche, ihre Zeitgenossen Tieck, Novalis, Fichte, Schelling, Schleiermacher oder Dorothea Veit, die für die Entfesselung des Genies stehen, für den Aufbruch ins Grenzenlose, für die Lust am Experiment. Und er erzählt die Geschichte des Romantischen, die bis heute fortlebt. Sie handelt von der Karriere des Imaginären und führt über Heine, Richard Wagner, Nietzsche und Thomas Mann bis zu den Erregungen des 20. Jahrhunderts - die Biografie einer Geisteshaltung.

Romantik
Eine deutsche Affäre

Carl Hanser Verlag, München 2007
ISBN-10 3446209441
ISBN-13 9783446209442
Gebunden, 416 Seiten, 24,90 EUR 

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 29.09.2007
Rezensent Manfred Koch will seine Enttäuschung über Rüdiger Safranskis "Romantik - Eine deutsche Affäre" nicht verhehlen, auch wenn er den Autor sonst sehr schätzt. Zu seinem Bedauern bleibt Safranski hier unter seinem Niveau, sieht er ihn doch zum "Kompendienschreiber" mutiert. Für ihn keine Überraschung, denn das Programm, das sich der Autor vorgenommen hat, ist in seinen Augen viel zu umfangreich für die knapp 400 Seiten des Buchs. Safranski wolle nämlich nicht nur die Epoche der Romantik, ihre Theoretiker wie Schlegel, Schelling, Schleiermacher und Novalis, ihre Schriftsteller wie Tieck, Brentano, Hoffmann und Eichendorff sowie deren Werke abhandeln, sondern auch das Romantische als deutsche Geisteshaltung, von Wagner und Nietzsche über Jünger, Schmitt, Heidegger und Nazideutschland bis hin zur 68er-Revolte. So kommt Koch das Buch immer wieder wie eine konventionelle Literaturgeschichte vor, die allerdings zahlreiche Lücken aufweist und oft nur an der Oberfläche kratzt. Vor allem hält er dem Autor vor, die europäische Perspektive der Romantik zu vernachlässigen und die Romantik zu einem deutschen Phänomen, ja zur "spezifisch deutschen Gesinnung schlechthin" zu machen. Freilich gibt es auch immer wieder Kapitel, die Koch überzeugend und lehrreich findet. So lobt er etwa die Passagen über Schlegels Ironiebegriff und Schleiermachers Entwurf eines religiösen Virtuosentums. Insgesamt aber hat ihn das Werk nicht wirklich zufrieden gestellt.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 27.09.2007
Nicht immer einverstanden zeigt sich Rezensent Ulrich Gutmair mit Rüdiger Safranskis Buch über die Romantik. An Peter Hacks Buch "Zur Romantik" anknüpfend hebt er die Ansicht hervor, über Romantik reden, heiße auch über das eigene Verhältnis zu Politik und Ästhetik zu reden. Diesen Zug findet er auch bei Safranski wieder. So begrüßt er, dass dieser eben nicht nur über Novalis, Herder, Hölderlin, Hegel, Schelling, Tieck und die anderen schreibt, sondern die Geschichte der Romantik vom Kaiserreich bis 1968 weiter verfolgt und die 68er-Bewegung als eine im Grunde zutiefst romantische beschreibt - ein Punkt, auf den Gutmair in seiner Rezension immer wieder zu sprechen kommt. Er sieht bei Safranski einerseits Wohlwollen gegenüber der Romantik, verstanden auch als Kompensation zur "gedeuteten Welt", als Überschuss an Phantasie, Ästhetik, Bedeutsamkeit. Andererseits erkennt er aber auch, wenngleich liberal abgemildert, die Vorbehalte, die Hacks schon deutlich formuliert hatte: gegenüber dem romantischen Streben nach Intensität und dem Extremen, das sich gerade im politischen Bereich nicht immer als segensreich erwiesen hat. Er moniert, dass sich Safranski zwar gegen die Gleichsetzung von Romantik mit dem politisch Reaktionären wendet, dann aber doch das "alte Klischee" wiederhole, die Romantik habe eine Vorliebe fürs Extreme, Impulsive, Dunkle und Träumerische. Zudem hält er dem Autor vor, bis zum Ende unentschieden zu bleiben, "was mit den romantischen Impulsen eigentlich anzufangen sei".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.09.2007
Hier handelt es sich wohl um das Genre der Präventivrezension. Sehr zeigt sich Christian Geyer bemüht, denkbare - und bereits erhobene - Einwände gegen Rüdiger Safranskis Romantik-Buch zu entkräften nicht etwa dadurch, dass er sie unerwähnt lässt oder widerlegt, sondern dadurch, dass er mit Enthusiasmus ihre Gegenstandslosigkeit dekretiert. Fachzuständige Philosophen oder Literaturwissenschaftler hätten, das räumt er ein, manches zu bekritteln - etwa die Eingrenzung auf die deutsche Romantik -, aber auf die Fachleute komme es eben nicht an. Vielmehr gehe es in Safranskis Studie um Größeres, Großes, wenn nicht ganz Großes wie - eben - "Größe, Diesseits, Jenseits, Geist und Materie". Im schwungvollen Mut zur Begeisterung für dergleichen besitze, preist Geyer, das Buch selbst echt romantischen Geist und gehe einen jeden von uns unmittelbar an. Legitim seien im Angesicht dieses gewaltigen Unterfangens die Auslassungen, Zuspitzungen, die Plots, die Safranski einsetzt, um seine "Erzählung auf großer Bühne" zu inszenieren. Kurzum: "Safranski ist ein Zauberkünstler, dem man lieber nicht widersteht."

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 06.09.2007
Als "grandioses Buch" feiert Rezensent Ulrich Greiner Rüdiger Safranskis "spannend erzählte" Geistesgeschichte der deutschen Romantik, die ihn besonders mit ihrer gekonnten Mischung aus philosophischer Analyse und anekdotischer Anschauung beeindruckt hat. Aber auch Scharfsinn, Belesenheit und Sprachkraft des Autors tragen zur Begeisterung des Rezensenten bei. Safranski gelinge es, diese komplexe Epoche höchst anschaulich werden zu lassen - angefangen mit ihrer "genialischen Exposition" bis zu ihrer "unheilvollen Radikalisierung" in späteren "Dunkelmänner- und Dumpfmeisterideologien". Safranski skizziere politische und soziale Entstehungshintergründe ebenso, wie die ästhetischen und philosophischen Positionen der Romantiker. Besonders erfreut sich der Rezensent an der "Genauigkeit und Hingabe", mit der sich Safranski den Dichtern genähert hat und ihm so Figuren wie Heine, Hölderlin oder Kleist "deutlich vor Augen treten". Leichtes Bedauern zeigt der Rezensent lediglich angesichts der Entscheidung, auf die Darstellung der Malerei ganz zu verzichten und auch die Musik nur durch Richard Wagner vertreten zu lassen. Auch hätte der Rezensent einige Seitenblicke dieser auf die deutsche Szene beschränkten Betrachtungen auf die englische Romantik sehr nützlich gefunden. Spaß wiederum macht Greiner, dass Safranski selbst ihm im höchsten Maße von der Romantik elektrisiert erscheint. 

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 01.09.2007
Enttäuscht zeigt sich Rezensent Lothar Müller von Rüdiger Safranskis Romantik-Buch, das ihm eher wie ein "Parforceritt" durch die Geistesgeschichte des Romantischen und weniger als Biografie erschien, die Safranski vorgeschwebt habe. Schuld daran ist aus Sicht des Rezensenten nicht nur die Ambition des Autors, weniger für ein philologisches Fachpublikum als vielmehr für eine breitere gebildete Öffentlichkeit zu schreiben, sondern auch die Form des Buchs selbst, das seiner Beschreibung zufolge aus zwei "zusammengekoppelten Langessays" besteht: für Müller leider zwei "trübe Spiegel" voller unklarer Begrifflichkeit, die für seinen Geschmack an zuviel "geistesgeschichtlichem Linienziehen und Analogisieren" leiden. Außerdem verkürze Teil eins die Romantik im wesentlichen auf das Motiv der Innerlichkeit. In Teil zwei fehlen dann dem Rezensenten so wichtige Punkte wie das Verhältnis zwischen den Künsten, oder eine Poetik des Musikalischen. Insgesamt bemängelt der Rezensent, dass das Buch sich kaum mit "der faszinierenden romantischen Wechselwirtschaft von Poesie und Wissenschaften" auseinandersetzt und auch der politischen Romantik kaum Platz einräumt. So ist das Buch zu Müllers großem Bedauern dem "Ideenlaboratorium" Romantik nur unzureichend gerecht geworden.

Schiller oder Die Erfindung des deutschen Idealismus

Jugendliches Genie, Revolutionär, Dichter

Rüdiger Safranski entstaubt in seiner Schiller-Biografie eine der schwungvollsten Gestalten unserer Literatur. Friedrich Schiller läutete mit seinem Enthusiasmus die Epoche der deutschen Geistesgeschichte ein, die man später den "Deutschen Idealismus" genannt hat. Safranski schildert Schillers Leben von den bedrückenden Anfängen in der Stuttgarter Karlsschule bis zu den letzten Jahren in Weimar, als er dem hinfälligen Körper mit ungebrochener Willenskraft sein Spätwerk abringt. Er erzählt, wie Schiller (zusammen mit Goethe) über ein Jahrzehnt, zwischen 1790 und 1805, zum Zentralgestirn des deutschen Geisteslebens werden konnte. Alle sind auf der Bühne versammelt: Novalis, Hölderlin, Schelling, die Brüder Schlegel, Fichte, der junge Hegel, Tieck, Brentano.

Schiller oder Die Erfindung des deutschen Idealismus
Carl Hanser Verlag, München2004
ISBN 3446205489, 
Gebunden, 560 Seiten, 25,90 EUR

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 07.10.2004
Rezensent Rolf-Bernhard Essig blickt schon ins Jahr 2005 - zum 200. Todestag von Friedrich Schiller - und berichtet in einer umfassenden Sammelrezension, was es Neues gibt am Horizont der Schiller-Literatur. Seinem hohen Anspruch, Schillers Modernität als eine in der "Radikalität des Denkens" fußende "Wandelbarkeit" aufzuzeigen, wird Rüdiger Safranski in jeder Hinsicht gerecht, lobt der Rezensent. Indem er aufzeige, wie sich Schillers Denken in so radikaler wie reflektierter Abkehr vom Nihilismus entzündete, gelinge es Safranski, dem herkömmlichen Schillerbild das Gespenst der "Plattheit" auszutreiben und die Fundiertheit des Schillerschen Idealismus deutlich zu machen. Unter Safranskis "anspruchsvoller und doch gut lesbarer" Feder, so das abschließende Lob des hocherfreuten Rezensenten, entsteht ein Gesamtbild, in dem Modernität nicht zur bloßen Behauptung gerät, sondern zur analytisch gesättigten Evidenz wird.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.10.2004
"Schiller ist immer noch da. Und wie!" frohlockt Rezensent Hans-Jürgen Schings und feiert den Schiller-Biografen Rüdiger Safranski als dessen souveränen und noblen Anwalt. Begeistert ist ihm der Rezensent dabei gefolgt, wie er sich in Friedrich Schiller und seine Zeit hineingedacht hat und lobt die fesselnde Sachlichkeit des Buchs. Nichts verbleibe "im Status des Schlagworts oder Allgemeinplatzes". Der Rezensent ist spürbar mitgerissen von der Lebendigkeit mit der Safranski ein "goldenes Zeitalter" entstehen lässt: allzu Bekanntes und Abgenutztes erwacht zu neuem Leben, verspricht er hingerissen. Besondere Bewunderung hat er für Safranskis Wagnis, "den verpönten Idealismus entschieden und programmatisch in den Mittelpunkt seiner Darstellung zu rücken". Ohne gewundene Distanznahme habe Safranski Schiller beim Wort genommen, was aus Rezensentensicht den gesamten Duktus des Buches einfärbt: Als Biograf habe sich der Autor von Schillers grandiosem Versuch anstecken lassen, den Geist der Freiheit ansteckend zu machen. Eine der griffigsten Formeln des Buches ist für Schings die Charakterisierung Schillers als "Sartre des späten 18. Jahrhunderts". Die "Bravour" verlässt Safranski nach Ansicht seines Rezensenten auch dann nicht, wenn es um das Werk des Dichters und Dramatikers Schiller geht. 

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 25.09.2004
Als einen Sartre des 18. Jahrhunderts zeichnet Rüdiger Safranski Schiller in seinem biografischen Porträt, als einen Philosophen der Freiheit, so Rezensent Manfred Koch. Allerdings handele es sich um einen problematischen, einen gebrochenen Freiheitsbegriff, in dessen Zentrum das Pathos der Wahl steht, die jeder Mensch, auch in der auswegslosesten Situation noch, hat. Safranski zeige in seinem Werk, das pünktlich zu Schillers anstehendem 200. Geburtstag auf den Markt kommt, wie der existenzialistisch-idealistische Dichterphilosoph sich in allen seinen Dramen an der "Tragik einer letztlich heimatlosen Freiheit" abgearbeitet hat. Dabei erweise sich Safranski, wie schon in seinen Studien über Nietzsche und Heidegger, als absolut souverän im Umgang mit den kulturgeschichtlichen Zeithintergründen . Wie der Biograf etwa Fichtes Ich-Philosophie bündelt, nötigt dem Rezensenten Respekt ab. Als wohltuend notiert Koch auch Safranskis Verzicht auf "dramatische Stilisierungen", zu denen ein "Athlet des Willens" wie Schiller natürlich Anlass gegeben hätte.

 


Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 22.09.2004
Rechtzeitig vor Schillers zweihundertstem Geburtstag im Jahr 2005 erscheint ein ganzer Stapel neuer Biografien, die den Dichter würdigen, ohne in das nationale Pathos früherer Jahre zu verfallen. Und wenn sich Ursula Homann eine davon auswählen müsste, würde sie sich wohl für die vorliegende entscheiden, denn, kurzum: Rüdiger Safranski ist der "große Wurf" gelungen, den sie von ihm erwartet hat. Das Buch geht darüber hinaus, Schillers Leben und Werk in seiner Zeit darzustellen, indem es umgekehrt anhand der Gestalt des Dichters die Zeit veranschaulicht, die er entscheidend prägte. Dazu werden die Persönlichkeiten des geistigen Lebens, denen Schiller begegnete, ebenso vorgestellt wie die zeitgenössische Philosophie - das alles aber nicht im akademischen Stil, sondern gehüllt in eine "packende" Erzählung, die mit mancher origineller Erkenntnis aufwarten kann. Manchmal, so Homann, gerät Safranski geradezu ins Schwärmen, ohne aber jemals in Gefahr zu geraten, eine Hagiografie zu verfassen. Fazit: ein "großes Leseabenteuer".

 

 

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.09.2004
Des Lobes voll ist Jens Bisky über Rüdiger Safranskis neue Gesamtdarstellung von Leben und Werk des deutschen Klassikers Friedrich Schiller. Dass dessen Leben selbst nur wenig Erzählenswertes hergibt, gereiche dabei dem Buch keineswegs zum Nachteil, ganz im Gegenteil. Umso überzeugender nämlich könne Safranski die intellektuelle Biografie des Dichters entwerfen, und zwar ganz ohne "literaturwissenschaftlichen Jargon". Es beginnt mit einer These zur "Erfahrungsarmut" Schillers, die dieser zur Spekulation auf mögliche Erfahrung zu konterkarieren verstanden habe, referiert der Rezensent. Überhaupt war Schiller laut Safranski die Wirklichkeit niemals genug, erschien ihm als schlechter Abglanz des Ideals, um das es ihm stets zu tun war. Die Kunst wurde für ihn selbst so zur "ultimativen Lockerungsübung" - und zwar auf dem Weg zur Überwindung des bloß Wirklichen. Faszinierend findet Bisky Safranskis Lektüre der drei medizinischen Dissertationen, in denen Schiller der körperlichen Determiniertheit eine Freiheit abringt, die in der zugreifenden Auswahl der Seele auf "Eindrücke und Ideenverbindungen" liegt. Der "Höhepunkt" des Buches ist für den Rezensenten die "Don Karlos"-Interpretation, die auf Schillers Doppelgesichtigkeit insistiert: "Der Enthusiast Schiller ist, so Safranski, ohne den Skeptiker nicht zu haben." Ein paar kleinere Kritikpunkte hebt sich Bisky für den Schluss auf: Allzu kurz kommt ihm das Spätwerk des Dichters und allzu wenig habe der Autor über Schillers "Form"-Begriff zu sagen. Das Buch ist dennoch ein "großartiger" Entwurf eines neuen Bildes des Klassikers, findet unser Rezensent.

Wieviel Globalisierung verträgt der Mensch?

Die Antwort auf die Frage des Menschenmöglichen

Wir erleben eine rapide Veränderung unserer Denk- und Lebensgewohnheiten und fühlen uns ihr gegenüber machtlos. "Das Denken selbst gerät in eine Globalisierungsfalle. Monoton dreht es sich im Kreis der beiden Grundfragen: Wie beherrscht man das Globale, fragen die einen, und wie rettet man es, fragen die anderen." Der Philosoph Rüdiger Safranski hilft mit diesem Buch, sich zurechtzufinden in einem Ansturm von Eindrücken und Bedrohungen. Er ermutigt, Freiräume für Gleichgewicht und Handlungsfähigkeit zu schaffen, denn Globalisierung lässt sich nur gestalten, wenn darüber nicht die andere große Aufgabe versäumt wird: das Individuum, sich selbst zu gestalten.

Wieviel Globalisierung verträgt der Mensch?
Carl Hanser Verlag, München2003
ISBN 3446202617, 
Gebunden, 118 Seiten, 14,90 EUR 

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 16.04.2003
Ijoma Mangold ist über ein seichtes Gewässer gesegelt, und wenn das auch nicht unangenehm war, hat er doch nicht das Gefühl, von der Stelle gekommen zu sein. Denn Rüdiger Safranskis Buch, so sein Urteil, ist "leer". Schon die titelgebende Frage sei das Problem: Denn wenn nach der Globalisierung und ihren Folgen gefragt werde, dann könne kein allgemein-essenzieller "Mensch" zum Anschauungsobjekt erhoben werden. Tut man es doch, dann komme so etwas heraus: "ein gemütlicher Spaziergang durch die Philosophiegeschichte" und ein Zierrat "hübscher Begriffe", schreibt Mangold. Um aber Wind in die Segel zu blasen und uns einer Erkenntnis über die Gegenwart näher zu bringen, ist nach Ansicht unseres Rezensenten ein anderer Menschenbegriff vonnöten: "normativ und damit überaus relativ und zeitgebunden".

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 20.03.2003
Wie immer bei diesem Autor geht es, schreibt Warnfried Dettling, um ein großes Thema - größer, als es der Titel vermuten lasse. Es gehe nämlich gar nicht um die Globalisierung, sondern um den Menschen, der überfordert und von sich selbst entfremdet sei. Wir erleben mehr, als wir "handelnd beeinflussen können", und das sei nicht zum Aushalten. Was also tun? An dieser Stelle nimmt Rüdiger Safranski laut Dettling einen radikalen "Perspektivwechsel" vor: Er denkt nicht mehr über Möglichkeiten der Veränderung der globalisierten Welt, sondern über die Abschirmung des Individuums von ihren "Zumutungen" nach. Der Einzelne solle "in sich und für sich selbst ein Universum gestalten". Dettling nimmt die Einladung "zu einem philosophischen Gespräch über politische Fragen" an und fragt sich: Geht das denn? Kann man sich auf diese Weise selbst erschaffen? Und muss man nicht am Ende doch Politik betreiben, um etwas zu verändern? "Neue und überraschende Fragen" seien das, und die Lektüre des Büchleins überaus anregend - nur nicht vom Titel abschrecken lassen!

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 19.03.2003

Martin Hartmann versteht Rüdiger Safranskis Band als die Antwort auf die Frage des Menschenmöglichen. Safranski prophezeie eine Überforderung des Menschen durch die immer dichter werdende Vernetzung, den zunehmenden Informationsfluss, die zahllosen Reizüberflutungen. Seine Lösung ist der Rückzug in eine "Heimat", denn der Mensch brauche "Ortsfestigkeit" und "Maß". Hartmann hält das für naiv und sogar gefährlich. Das "Geraune" über die selbstgeschlagene heimatliche Lichtung im Globalisierungsdschungel, den Rückzug auf ein festumrissenes Gebiet, werde auch nicht weiterhelfen, denn so wie Ortsfestigkeit nicht vor Borniertheit schütze, "so gedeiht Ressentiment gegen Fremdes besonders gut in der heimischen Gartenlaube". Wie in solcher "schwülen Nahe" Weltoffenheit entstehen soll, schreibt Hartmann süffisant, "bleibt Safranskis Geheimnis".

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 13.02.2003
Indem Safranski über das Problem der Globalisierung schreibt, hält er Distanz zu "Bedrängendem", meint Uwe Justus Wenzel. Er sieht den Autor sein Thema durchweg aus anthropologischer Sicht begegnen und lobt ihn dafür, dabei so gut wie nie in eine "falsche Schlichtheit" einzumünden. Zudem meine es der Autor durchweg "gut" und baue keine "Falltür" in seine Gedankengänge ein, wie sein Kollege Sloterdijk es bisweilen tue, so der Rezensent zustimmend. Dabei erkennt er an, dass der Autor auch bei Kritik an der Globalisierung auf das "rechte Maß" bedacht ist und sich nicht rückhaltlos zu den Globalisierungsgegnern gesellt. Der Autor, fasst Wenzel zusammen, propagiert ein Leben als "Unerreicht-Sein", wobei er diese Haltung vor allem negativ definiert sieht und als "quietistisch" charakterisiert. Dabei lässt der Rezensent offen, in wie weit er dem Autor in seiner Welthaltung folgen will.

 

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.02.2003
Christian Geyer stellt beeindruckt fest, dass dieses Buch in "versöhnlichem, ja plaudernden Grundton" aufs "Ganze geht". Allerdings sieht der Rezensent in dem Thema der Globalisierung nur den "Anlass" für den Autor, seine Anthropologie darzulegen. Deshalb läsen sich die ersten beiden Kapitel, die sich mit der Globalisierung beschäftigen, auch eher als "pflichtschuldige Stichworte zum Thema", moniert Geyer, der erst, wenn der Autor zu den "anthropologischen Grundbedingungen" kommt, dem Buch so etwas wie "Herzblut" anmerkt. Gegen die Globalisierung argumentiert Safranski ausnahmslos mit Klassikern der Geistesgeschichte von Goethe bis Hebel, bemerkt der Rezensent, der die Befürchtungen des Autors wohl ein bisschen übertrieben findet. Denn während Safranski glaubt, dass der "Geist einen Immunschutz" benötigt und sich nicht alles auf ihn Einströmende "anverwandeln" darf, glaubt Geyer, dass man auch einfach mal "von selber dicht" macht, wenn etwas "nervt". Dennoch, so sein abschließendes Urteil, gehört dieses Buch "in jede anständige Bibliothek".

Nietzsche

Biografie seines Denkens

Wie kein Zweiter hat Nietzsche unser Denken beeinflusst. Zu seinem 100. Todestag legt Rüdiger Safranski etwas vor, was es bisher noch nicht gegeben hat: eine Biographie von Nietzsches Denken. Eines Denkens, das existentiell ist, weil es um die Gestaltung des eigenen Lebens geht, das experimentell ist, weil darin die ganze Erkenntnis- und Moraltradition auf den Prüfstand gestellt wird, und das exemplarisch ist in seinen Antworten auf das Problem des Nihilismus. Ein außergewöhnliches Buch, das die Abenteuer dieses Denkens erzählt und zugleich die Bilanz seiner Wirkungen zieht.

Nietzsche - Biografie seines Denkens
Carl Hanser Verlag, München 2000
ISBN 3446199381, 
Gebunden, 400 Seiten, 25,46 EUR

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 21.09.2000
Tom Peuckert ist restlos begeistert von diesem Buch. Der Autor habe weitgehend auf rein biografische Fakten verzichtet und sich stattdessen der Entwicklung von Nietzsches Denken gewidmet. Dies gibt Gelegenheit für eine "behutsame Wiederlektüre" der Texte des Philosophen und bietet eine "Rekonstruktion eines Gedankenkosmos", so der Rezensent anerkennend. Dem Leser würden "faktenreiche und bestechend luzide Exkurse" geboten, deren Erkenntnisse sinnreich in die Geistesgeschichte der Zeit eingeordnet werden. Nicht umsonst stehe Safranskis Bücher auf der Bestsellerliste, denn der Autor zeichne sich durch die Fähigkeit aus, auch komplexe philosophische Gedankengänge mit "großer Klarheit und Gelassenheit" nachzuzeichnen, schwärmt der Rezensent und bescheinigt dem Buch begeistert "Lebensklugheit".

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 24.08.2000
Christoph Türcke weist zunächst darauf hin, welche Risiken gerade in einer Nietzsche-Biografie liegen. Denn einerseits habe Nietzsche selbst schon seine Autobiografie - wenn auch indirekt - vorweggenommen, zum anderen müsse ein Autor zwangsläufig scheitern bei dem Versuch, "hinter sein Geheimnis zu kommen". Recht angetan ist Türcke daher von dem vorliegenden Band, zumal es Safranski nach Ansicht des Rezensenten eher darum geht, Nietzsches Leben und Denken "plastisch hervortreten" zu lassen. Türcke lobt dabei Safranskis Balance zwischen Emphase und Distanz, seinen Verzicht auf "postmoderne Extravaganzen, Rück- oder Vorblenden", seine Sprache und nicht zuletzt die gute Lesbarkeit des Buchs. Etwas verwundert zeigt sich der Rezensent jedoch darüber, dass Nietzsches Krankheiten und auch der Wahnsinn hier fast überhaupt nicht thematisiert werden, auch dort nicht, wo dies in seinem Denken eine deutliche Rolle spielt. Auch das Kapitel zur Nietzsche-Rezeption hätte nach Türckes Ansicht ausführlicher ausfallen können. Besonders gelungen findet er allerdings, dass Safranski Nietzsche hier nicht als "übersensiblen Schmerzensmann" - wie das neuerdings recht populär ist - darstellt und auch aufzeigt, inwiefern Nietzsche selbst für so manche fragwürdige Deutung hinsichtlich des Faschismus` mitverantwortlich ist.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 19.08.2000
Uwe Justus Wenzel kann diesem Buch sehr viel mehr abgewinnen als Safranskis Abhandlung über Heidegger und erklärt sich dies mit der Nähe des Autors zu dem "extremistisch veranlagtem Selbstsucher" Nietzsche, der - wie Wenzel erläutert - nicht einfach über sein Leben nachdachte, sondern dieses dezidiert so führte, dass es etwas zum Nachdenken gab. Wenzel geht in seiner Rezension auf zahlreiche Einzelheiten des Buchs ein. Summa summarum lobt er die "bemerkenswert facettenreichen, dabei überaus lesenswerten Interpretationen" des Autors. Nur einige wenige Aspekte hebt er als fragwürdig hervor. So zeige Safranski bisweilen eine Tendenz zum "Psychologisieren", etwa da, wo es um Nietzsches Ringen um "Lebensbejahung" geht. Lobenswert findet Wenzel jedoch, dass Safranski deutlich die Maskenspiele Nietzsches aufzeigt, einen Nietzsche, "der sich immer neue Formen anmisst, Masken schafft und wieder zerbricht - bis er selbst zerbricht".

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 18.08.2000
Nach Christian Schlüter hat der Autor in seinem "erbaulich geratenem und flüssig geschriebenen" Buch vor allem die Bedeutung der Musik für Nietzsche in den Mittelpunkt gerückt. Denn nur mit Hilfe der Musik könne man, so referiert er Nietzsches Überzeugung, der Langeweile des Lebens entgegen treten. Selbst die Sprache hilft nicht weiter. "Sie hätte singen sollen, diese `neue Seele` - und nicht reden!", fand Nietzsche, allerdings ergänzt Schlüter, dass die Bedeutung der Musik ohne den kulturellen Kontext bedeutungslos bleibt. In diesem Zusammenhang versuche Safranski mit dem "Zweikammersystem" den Konflikt zu erklären: Der einen Kammer der Leidenschaften steht die des Maßes, der Regulierung entgegen. Dies löst nach Schlüter zwar nicht den Konflikt, könne ihn aber durch "geschicktes Herumlavieren" entschärfen. Safranski geht es, wie der Leser erfährt, keineswegs um eine Vermittlung der beiden Sphären und erläutert dies mit einem Beispiel aus der heutigen Zeit. So könne man Unvereinbares doch gleichzeitig tun, wenn man mit dem Walkman im Ohr joggen geht: "Apollinisch (...) joggt er, dionysisch hört er". Schlüter kontert polemisch und fragt nach, ob damit durch die Pop-Kultur "die ideologischen als auch die sozialen Kämpfe verschwunden" sind.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 14.08.2000
Rüdiger Safranskis Nietzsche-Buch zeigt, dass man philosophisches Denken durchaus erzählen kann, ohne dabei der Ernsthaftigkeit einen Bärendienst zu erweisen, meint Rezensent Klaus Podak. Die Stärke des Buchs liegt, so Podak, eben darin, dass der Autor Nietzsches Gedanken mit großer Feinfühligkeit nachspüre und sie erzähle, statt "mit ihrer Wucht zu nötigen, zu überwältigen". Vom eigenen Nachdenken werde der Leser dabei keineswegs befreit. Mehrere Aspekte in diesem Buch hebt der Rezensent besonders hervor: zum einen die Herausstellung eines ordnenden Prinzips in Nietzsches Denken, das dieser selbst mit zwei nebeneinander existierenden `Hirnkammern` zu fassen versuchte: Einerseits die Wissenschaft und andererseits die Nicht-Wissenschaft. Im einen liege die Kraftquelle, die `geheizt werden` muss, im anderen das Regulierende, das der Überhitzung vorbeugt. Ein anderer Punkt, den Podak mehrfach hervorhebt, ist Safranskis Darstellung des Musikalischen bei Nietzsche. Dabei ist weniger Nietzsches eigenes Komponieren gemeint, als vielmehr die Rolle, die Musik in seinem Denken und in seiner Sprache spielten. Dass Safranski nicht als Apologetiker auftritt und auch Nietzsches "Tollheiten" nicht glättet, gehört für Podak schließlich zu einer der großen Stärken dieses Buchs. Der Autor eröffne "Zugänge" zu Nietzsches Denken und zeige dabei gleichzeitig dessen "unauflösbare Vieldeutigkeit".