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Biographie Rüdiger Safranski

Träger des Paul Watzlawick Ehrenringes der Ärztekammer für Wien 2010

„Der romantische Geist ist vielgestalt, musikalisch, versuchend und verführerisch, er leitet die Freude der Zukunft und der Vergangenheit, die Überraschungen im Alltäglichen, die Extreme, das Unbewußte, den Traum, den Wahnsinn, die Labyrinthe der Reflexion. Der romantische Geist bleibt sich nicht gleich, ist verwandelnd und widersprüchlich, sehnsüchtig und zynisch. Der alte Goethe sagte, das Romantische ist das Kranke. Aber auch er mochte nicht darauf verzichten.

Was Rüdiger Safranski im Jahre 2007 bei Hanser veröffentlichten Buch „Romantik – eine deutsche Affäre“ beschreibt, trifft in großen Teilen auch auf seine Person zu. Der 1945 bei Württemberg geborene Literaturwissenschafter und Philosoph ist einer der renommiertesten, meistgelesenen und meistausgezeichneten Sachbuchautoren der Gegenwart und auch dem TV-Publikum durch die gemeinsam mit Peter Sloterdijk moderierte Sendung „Das philosophische Quartett“ bekannt. Mit seinem Buch über die Romantik hat Safranski ebensoviel zu einer Neudeutung einer Epoche beigetragen wie mit seiner Friedrich Nietzsche Biographie (Friedrich Nietzsche, Biographie seines Denkens) eine neue Epoche der Rezeption eines der umstrittensten Denker des 19. Und 20. Jahrhunderts eingeleitet wurde.

Rüdiger Safranski hat schon mit seinem ersten, weit verbreiteten und gelesenen Buch über Martin Heidegger (Heidegger und seine Zeit) versucht, jenen Themenkreis, der ihn am stärksten beschäftigt – deutsche Romantik, deutscher Idealismus, Auseinandersetzung zwischen Freiheit und dem Bösen – in neuem Stil und einer bislang kaum gewohnten thematischen Distanz zu erfassen.

Safranski studierte ab 1965 Philosophie, Germanistik sowie Geschichte und Kunstgeschichte an den Universitäten Frankfurt und Berlin und war dann in Frankfurt auch mit der Frankfurter Schule und Theodor W. Adorno selbst in Kontakt, der ihn offensichtlich auch bewegte, eine wissenschaftliche Laufbahn anzustreben.

Safranski war in den Siebziger Jahren wissenschaftlicher Assistent im Fachbereich Germanistik an der Freien Universität Berlin und promovierte mit einer Arbeit über „Studien zur Entwicklung der Arbeiterliteratur in der Bundesrepublik“ und wurde anschließend Redakteur der „Berliner Hefte“ sowie Dozent in der Erwachsenenbildung.

1987, drei Jahre nachdem Erscheinen seiner ersten Biographie (E.T.A. Hoffmann. Das Leben eines skeptischen Phantasten), die ein erstaunlicher Erfolg war und sich zehntausendfach verkaufte, ließ sich Safranski als freier Schriftsteller, zunächst in Berlin, nieder. Heute lebt er „pendelnd“ zwischen München und Berlin, ist Mitglied der renommierten Deutschen Akademie der Sprache und Dichtung in Darmstadt, die alljährlich den Büchner-Preis vergibt und einer der meistgelesenen Sachbuchautoren im deutschen Sprachraum. 

Bereits mit seiner E.T.A. Hoffmann-Biographie bewies Safranski die bis heute unerreichte Meisterschaft, analytisches Sachbuch und literarisches Essay, faktische Darstellung und aufklärerische Interpretation miteinander im Einklang zu bringen und dabei so verständlich und spannend zu erzählen, dass man seine Bücher durchaus in die Nähe von Belletristik rücken kann. 

2004 erschien seine vieldiskutierte und gelesene Friedrich Schiller Biographie, die ein Bestseller wie schon das Nietzsche-Buch wurde und in dem Safranski den Versuch unternahm, nicht nur ein umfassendes Bild des deutschen Idealismus zu zeichnen, sondern auch die seiner Meinung nach stringenten Bezüge zum Heute und zur Geschichte des 20. Jahrhunderts herzustellen: „Der Glaube an den Fortschritt und die Folgen: Die Katastrophe des Dritten Reiches wurzelt in der Unfähigkeit der Deutschen, das Politische ohne Pathos zu denken“.

Die Kritik lobte die „fesselnde Sachlichkeit“ des Wagnisses von Safranski, Schiller gerade dieses Pathos zu entkleiden, jenes „Zentralgestirn des deutschen Geisteslebens. Alle sind auf der Bühne versammelt; Novalis, Hölderlin, Schelling, die Brüder Schlegel, Fichte, der junge Högele, Tieck, Brentano“.

In der FAZ stand zu lesen, dass Safranski „ den verpönten Idealismus entschieden und programmatisch in den Mittelpunkt seiner Darstellung rückte“. Nichts, so die FAZ „verbleibt im Status des Schlagwortes oder Allgemeinplatzes“.

Safranski setzte seine „Schiller-Biographie“ insoferne fort, als er ein Buch über „Goethe und Schiller, Geschichte einer Freundschaft“editierte und auch manches Vorurteil ausräumte, das von einer Feindschaft handelt oder einer abschätzigen Haltung Goethes zu Schiller.

Romantik – Idealismus – deutsche Identität und deutsche Tragik in der Geschichte, das alles traumatisiert Safranski in seinen Werken immer wieder: von der Nähe Heideggers zu den Nationalsozialisten, der Vereinnahmung Nietzsches durch die Nazis und der Renaissance, romantischen Irrationalismus ebenfalls durch die Hitlerpropaganda. Hier agiert Safranski als empathischer Aufklärer, der mit hohem Sachverstand versucht, Ideologien zu entlarven, Ideengeschichte in größere Zusammenhänge zu bringen und gleichermaßen das Denken der Personen die dahinterstehen zu röntgenisieren. Nicht ohne Grund heißt sein Nietzsche-Buch „Nietzsche- Biographie seines Denkens.“

Nicht die Lebensgeschichte des Philosophen wird vorrangig und chronologisch geschildert, sondern die Geschichte und Veränderung seines Denkens.“ Eines Denkens das essentiell ist, weil es um die Gestaltung des eigenen Lebens geht, das experimentell ist, weil darin die ganze Erkenntnis-und Moraltradition liegt.“

Safranski stellt, als gelernter Essayist, Philosoph und Kunstkritiker, stets Bezüge zum Geistesleben her, lässt Zusammenhänge erkennen, die Vielen bis dahin unbekannt waren, vermittelt damit ein Gesichtsbild, das ihn als aufrechten Pädagogen und Aufklärer auszeichnet, mit hoher literarischer Begabung.

„Indem ich dem Gemeinen einen hohen Sinn, dem Gewöhnlichen ein geheimnisvolles Ansehen, dem Bekannten die Würde des Unbekannten, dem Endlichen einen unendlichen Schein gebe, so romantisiere ich es „.

Dieser Satz von Novalis könnte ebenso gut wie seine Umkehrung von Rüdiger Safranski sein. 

Liste der veröffentlichten Werke

Bibliographie

Im Carl Hanser Verlag sind erschienen:

  • 1984 E.T.A.Hoffmann. Das Leben eines skeptischen Phantasten
  • 1987 Schopenhauer und die wilden Jahre der Philosophie
  • 1990 Wieviel Wahrheit braucht der Mensch? Über das Denkbare und das Lebbare
  • 1994 Ein Meister aus Deutschland. Heidegger und seine Zeit
  • 1997 Das Böse oder Das Drama der Freiheit
  • 2000 Nietzsche. Biographie seines Denkens
  • 2003 Wieviel Globalisierung verträgt der Mensch?
  • 2004 Friedrich Schiller oder Die Erfindung des Deutschen Idealismus. Biographie
  • 2007 Romantik. Eine deutsche Affäre
  • 2009 Goethe und Schiller. Geschichte einer Freundschaft  
  • 2010 Schopenhauer Und die wilden Jahre der Philosophie

Vitae in Jahren und Stichworten - Daten, Fakten, Jahreszahlen

  • 1945 in Rottweil geboren
  • 1965 Beginn des Studiums der Germanistik, Philosophie, Geschichte und Kunstgeschichte
  • 1976 Dissertation in Germanistik und Philosophie
  • 1972-77 Wissenschaftlicher Assistent am Fachbereich Germanistik der Freien Universität Berlin
  • 1977-84 Dozent in der Erwachsenenbildung
  • bis 1981 Mitherausgeber und Redakteur der kulturpolitischen Zeitschrift Berliner Hefte, in der er Aufsätze zu Literatur, Politik und Philosophie veröffentlichte
  • seit 1985 Tätigkeit als freier Autor
  • Rüdiger Safranski ist zusammen mit Peter Sloterdijk Gastgeber des „Philosophischen Quartetts“ im ZDF.
  • Die Werke von Rüdiger Safranski sind bislang in 26 Sprachen übersetzt.